SMS-Warnung vor Geschlechtskrankheiten für Handy-Nutzer

Neueste Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Anzahl der Geschlechtskrankheiten in Deutschland und sogar europaweit seit geraumer Zeit wieder zunimmt. Unabhängig davon, ob es sich beispielsweise um Syphilis, Chlamydien oder Tripper handelt: Die Bundesbürger scheinen wieder etwas sorgloser mit möglichen Geschlechtserkrankungen umzugehen, was vor allem daraus resultiert, dass mehr ungeschützter Verkehr durchgeführt wird. Jetzt gibt es eine moderne Möglichkeit, wie Sie zumindest Ihre bisherigen Sexualpartner warnen können, falls bei Ihnen eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert wurde. Das Zauberwort heißt in dem Zusammenhang SMS-Warnung.

Bisherige Sexualpartner mittels SMS warnen

Jährlich sind es hierzulande viele Tausend Menschen, die sich mit einer der typischen Geschlechtskrankheiten anstecken. Jetzt hat das „Walk in Ruhr“ Zentrum in Bochum einen neuen Dienst geschaffen, der die Möglichkeit enthält, dass angemeldete User ihre vorherigen Sexualpartner informieren lassen können, falls Sie eine Geschlechtskrankheit haben und somit auch für den ehemaligen oder sogar aktuellen Sexualpartner die Gefahr besteht, sich mit der Erkrankung anzustecken bzw. bereits angesteckt zu haben.

Zwar wird es sich in den meisten Fällen um eine nachträgliche Warnung handeln, sodass diese in dem Sinne bereits zu spät ist, als dass eine Ansteckung schon erfolgt ist. Tatsächlich macht die SMS-Warnung vor Geschlechtskrankheiten aber dennoch Sinn, denn viele Erkrankungen in diesem Bereich werden nicht richtig oder zu spät diagnostiziert. Durch die rechtzeitige Warnung ist eine frühzeitige Behandlung möglich, sodass unangenehme Nebenwirkungen oder ein stärkerer Verlauf der Erkrankung so häufig verhindert werden können.

Wie funktioniert die SMS-Warnung vor Geschlechtskrankheiten?

SMS-Warnung vor Geschlechtskrankheiten möglich

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Die Grundidee der Warnung vor Geschlechtskrankheiten per SMS besteht darin, dass Sie ehemalige Sexualpartner anonym darüber informieren lassen können, dass eine Person, nämlich Sie selbst, eine Geschlechtskrankheit hat und daher auch die Möglichkeit besteht, dass sich Ihre Sexualpartner angesteckt haben. Damit die SMS versendet werden kann, ist es zunächst einmal notwendig, dass Sie sich auf der Webseite registrieren. Dort stehen dann unterschiedliche Formulierungen zur Auswahl. So kann der gewünschte Empfänger der SMS nicht nur sehr konkret darüber informiert werden, dass er sich eventuell mit der Geschlechtskrankheit XY angesteckt hat, sondern alternativ ist es ebenfalls möglich, sehr allgemein und vorsichtig auf ein eventuelles Gesundheitsrisiko hinzuweisen.

Damit keine missbräuchliche Verwendung des neuen Systems vorgenommen werden kann, funktioniert die SMS-Warnung ausschließlich mit einem Zugang zum System, der unter anderem ein Passwort beinhaltet. Nachdem Sie als registrierter User einen Nutzercode angefordert haben, können bis zu 15 Personen gleichzeitig per SMS informiert werden. Zu den bisher am häufigsten genannten Geschlechtskrankheiten, bei denen ehemalige Sexualpartner per SMS informiert wurden, zählen:

  • Syphilis
  • Tripper
  • Herpes
  • Chlamydien

Experten sehen die neue SMS-Warnung durchweg positiv, denn immerhin besteht ein Hauptproblem der erkrankten Personen sehr häufig darin, dass rund die Hälfte sehr spät den Arzt aufsucht.

Vermehrte Aufklärung ist dringend erforderlich

Abgesehen davon, dass registrierte Nutzer durch den neuen SMS-Dienst ihre ehemalige Sexualpartner darüber informieren können, dass eventuell eine Geschlechtskrankheit vorhanden ist, sind Experten der Auffassung, dass das Thema noch weitgreifender angegangen werden muss. So muss eine deutlich bessere und umfangreichere Aufklärung erfolgen, als sie bisher vorgenommen wird. Nach wie vor gelten sexuell übertragbare Krankheiten nämlich als eine Art Stigma und werden insbesondere von Jugendlichen und jungen Erwachsenen kaum erwähnt. Die meisten Betroffenen trauen sich erst gar nicht, einen Arzt aufzusuchen oder über ihre Beschwerden zu sprechen, da sie naturgemäß vor allem den Intimbereich betreffen.

Zu dieser Erkenntnis kommt auch Norbert Brockmeyer als Leiter des Walk in Ruhr Zentrums immer wieder. Hinzu kommt die unerfreuliche Tatsache, dass die Fallzahlen bei zahlreichen Geschlechtskrankheiten in den letzten fünf Jahren in Deutschland zum Teil deutlich angestiegen sind. Die Tendenz der wieder zunehmenden Geschlechtskrankheiten gibt es allerdings nicht nur in Deutschland, sondern im gesamten westeuropäischen Raum. Vor allem bei sexuell aktiven Personen unter 25 Jahren ist festzustellen, dass mögliche Erkrankungen entweder auf die leichte Schulter genommen werden oder schlichtweg wichtige Informationen fehlen, welche Geschlechtskrankheiten es gibt, welche Symptome auftreten und wie eine erfolgreiche Behandlung durchgeführt werden kann. Ein wichtiger Punkt besteht daher bei der Aufklärung darin, die Menschen darauf hinzuweisen, wie sie überhaupt erste Symptome und Anzeichen der unterschiedlichen Geschlechtskrankheiten erkennen können.

Symptome der Geschlechtskrankheiten erkennen

Ein wichtiger Teil der möglichst umfangreichen Aufklärung zum Thema Geschlechtskrankheiten besteht definitiv darin, Jugendliche und natürlich auch Erwachsene darüber zu informieren, wie sich typische Geschlechtskrankheiten wie Tripper, Syphilis oder Gonorrhoe überhaupt äußern. Hier mangelt es insbesondere bei Jugendlichen an Wissen, sodass mehr als die Hälfte aller Geschlechtskrankheiten erst spät erkannt wird bzw. die Betroffenen einen Arzt aufsuchen. Dies belegen Statistiken immer wieder, sodass heute feststeht, dass durchschnittlich jeder zweite Patient sehr spät mit seiner Geschlechtskrankheit beim Arzt vorstellig wird. Das große Problem an der späten Diagnose besteht darin, dass dann schon ausgeprägte Verlaufsformen vorhanden sind und teilweise sogar nicht mehr heilbare Symptome, wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit, in Erscheinung getreten sind. Hier wiederum könnte die anonyme Warnung per SMS einen großen Teil dazu beitragen, dass die Betroffenen möglichst früh darüber informiert werden, dass sie eventuell an einer Geschlechtskrankheit leiden.

Im Idealfall sucht der SMS-Empfänger dann unverzüglich einen Arzt bzw. Facharzt auf, um eine gesicherte Diagnose zu erhalten. Besonders hilfreich dürfte der SMS-Dienst übrigens für Männer sein, da sich diese deutlich seltener überhaupt auf eventuelle Geschlechtskrankheiten hin untersuchen lassen. Während es bei Frauen die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen gibt, suchen Männer den entsprechenden Facharzt (Urologen) erheblich seltener auf. Somit bleiben viele Geschlechtskrankheiten zumindest im Anfangsstadium unentdeckt, obwohl sie dann auch einfach zu behandeln sind. Allerdings gibt es im Hinblick auf die Behandlung durchaus ein wachsendes Problem, nämlich auftretende Resistenzen.

Antibiotika versagen auch bei Geschlechtserkrankungen immer öfter

Die Mehrzahl aller Geschlechtskrankheiten wird durch Bakterien oder Viren verursacht. Zumindest bei einer bakteriellen Ursache, wie zum Beispiel bei Syphilis oder Gonorrhoe, war die Behandlung bisher gut mit den entsprechenden Antibiotika möglich. Die entscheidende Frage ist allerdings, wie lange dies auch in der Zukunft noch der Fall sein wird. Die Resistenzen gegen Antibiotika wachsen ganz allgemein und betreffen daher auch den Bereich der Geschlechtskrankheiten. Insbesondere bei der Behandlung von Tripper ist festzustellen, dass Antibiotika immer häufiger versagen und auf „Notreserven“ zurückgegriffen werden muss.

Aber auch bei den Geschlechtskrankheit Syphilis und Chlamydien beobachten Experten in zunehmendem Maße, dass die bakterielle Infektion zunehmend schlechter mit Antibiotika zu behandeln ist. Das Problem bei diesen zwei Erkrankungen besteht zudem darin, dass sie meistens ohne größere Symptome verlaufen, unbehandelt jedoch sowohl zur Unfruchtbarkeit als auch zu Fehlgeburten führen können. Immerhin gibt es in dem Zusammenhang eine positive Entwicklung, nämlich dass es – zumindest im vergangenen Jahr – in Deutschland weniger Neudiagnosen der wohl gefährlichsten Geschlechtskrankheit gab, nämlich HIV.

Fazit: SMS-Warnung als wichtiger Schritt in die richtige Richtung

Die neue anonyme SMS-Warnung, bei der ehemalige Sexualpartner über die Möglichkeit einer Infektion informiert werden können, ist definitiv ein guter Schritt in die richtige Richtung. Das reine Angebot kann allerdings nur zu einem Erfolg werden, wenn es von den entsprechenden Usern auch möglichst umfangreich genutzt wird. Experten sehen hier durchaus gute Chancen, denn immerhin wird die SMS-Warnung anonym versendet. Sie müssen sich also keineswegs gegenüber Ihrem ehemaligen Geschlechtspartner outen, dass Sie selbst von einer Geschlechtskrankheit betroffen sind und Sie ihn deshalb warnen möchten. Dies ist definitiv eine gute Grundlage dafür, dass vielleicht zukünftig bei deutlich mehr Personen als bisher Geschlechtskrankheiten früh erkannt und somit auch noch gut behandelt werden können.

 

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