Geschlechtskrankheiten: mehr übertragbare Erreger als bisher angenommen

Wenn von Geschlechtskrankheiten gesprochen wird, dann tauchen oftmals nur etwa fünf typische Begriffe auf, wie zum Beispiel Tripper, Chlamydien, Syphilis oder HIV. Jetzt haben einige Forscher allerdings herausgefunden, dass es augenscheinlich deutlich mehr Erkrankungen bzw. im Detail Viren und Erreger gibt, die über sexuellen Kontakt übertragen werden können. Dabei handelt es sich im Detail um genau 27 Virentypen, die von den Wissenschaftlern entdeckt wurden und sich vorrangig im Sperma befinden können.

Die bisher bekannten Geschlechtskrankheiten: Syphilis, Chlamydien & Co.

Bisher waren es fast immer rund fünf Geschlechtskrankheiten, die sowohl von Experten als auch Medizinern aufgeführt wurden, wenn es darum ging, vor welchen Erkrankungen man sich bei sexuellen Kontakten schützen sollte. In erster Linie waren es die folgenden Geschlechtskrankheiten, die in diesem Zusammenhang aufgeführt wurden:

  • HIV
  • Syphilis
  • Gonorrhoe (Tripper)
  • Chlamydien
  • Genitalherpes

Diese Erkrankungen sind zwar nicht lebensbedrohlich, können aber dennoch zu Beschwerden und auch langfristigen Gesundheitsschäden führen, wie zum Beispiel in schlimmeren Fällen Unfruchtbarkeit beim Mann oder Frau. Forscher der Universität Oxford haben jetzt allerdings herausgefunden, dass es anscheinend noch deutlich mehr Viren und somit Krankheitserreger gibt, die durch sexuelle Kontakte übertragen werden können. Es handelt sich dabei um genau 27 Virentypen, die vermutlich insbesondere über das Sperma übertragen werden.

Ergebnisse der Studie an der Universität Oxford

Der Anlass für die Studie, die durch Wissenschaftler an der Universität Oxford durchgeführt wurde, war die Tatsache, dass immer öfter im Sperma von an Zika erkrankten Patienten entsprechende Zika-Viren nachgewiesen wurden. Aus diesem Grund begannen die Forscher zunächst damit, über 3.600 Studien zu durchforsten. Das Ergebnis besteht vorrangig darin, dass es noch deutlich mehr Viren und Erreger gibt, die über einen längeren Zeitraum hinweg im Sperma verweilen können und bei sexuellen Kontakten übertragen werden. Im Detail konnten die Wissenschaftler exakt 27 unterschiedliche Virentypen identifizieren.

Mehr Viren sind sexuell übertragbar als bisher gedacht

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Eine weitere Erkenntnis, die aus der aktuellen Untersuchung resultiert, besteht darin, dass die entsprechenden Virusträger selbst nicht einmal an der durch die Erreger ausgelösten Krankheit leiden müssen, sie aber dennoch dazu in der Lage sind, die Viren bei sexuellen Kontakten an andere Personen weiterzugeben. Dies liegt darin, dass sich die Viren vermutlich über einen längeren Zeitraum hinweg im Sperma aufhalten können. Dementsprechend besteht eine nicht unerhebliche Gefahr, dass durch die Weitergabe des Spermas der jeweilige Sexualpartner angesteckt wird. Die Ergebnisse der Studie sollten keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden, denn es sind durchaus gefährliche Erreger, die sich im Sperma befinden können, insbesondere:

  • Ebola
  • Zika
  • Marburg
  • Hepatitis B
  • Herpes-Viren

Besonders gefährlich ist vor allem das Ebola-Virus, das in der Vergangenheit insbesondere in Afrika schon viele Tausend Menschen das Leben gekostet hat. Darum raten Experten dringend dazu, dass bei einer bekannten Ebola-Infektion selbst nach vollständiger Heilung am besten noch mehrere Monate keine sexuellen Kontakte stattfinden. Die positive Nachricht ist allerdings, dass für die meisten der 27 identifizierten Viren noch nicht eindeutig gesagt werden kann, ob diese durch Sexualkontakt übertragen werden können und dementsprechend eine Infektion auslösen.

Tests müssen erweitert und fortgeführt werden

Ein weiteres Ergebnis der Studie besteht darin, dass 11 der 27 identifizierten Viren laut den Wissenschaftlern ausschließlich in den Hoden gefunden werden. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass die entsprechenden Viren sich ebenfalls im Sperma wieder finden und dementsprechend bei Geschlechtsverkehr auch weitergegeben werden können. Zu dieser Gruppe gehören ebenfalls Viren bzw. Erreger, die auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden sollten, nämlich:

  • Erreger von Sars
  • Röteln-Erreger
  • Influenza-Virus

Fest steht, dass noch nicht alle Fakten auf dem Tisch legen, insbesondere im Zusammenhang damit, ob sich welche Viren tatsächlich im Sperma befinden und eine Übertragung durch sexuelle Kontakte möglich ist. Aus dem Grund ist es aus Sicht der Wissenschaftler äußerst wichtig, dass die Tests erweitert und fortgeführt werden können, denn es sind noch viele Fragen offen. So müssen die Forscher beispielsweise noch klären, welche Viren sich über welchen Zeitraum und in welchem Ausmaß im Sperma halten können. Die Vorhaltedauer ist ganz entscheidend für das Risiko, denn natürlich macht es einen Unterschied, ob die Viren nach Produktion des Spermas beispielsweise nur ein paar Stunden, mehrere Tage oder sogar Wochen überdauern können.

Eine zweite Frage, die ebenfalls zu klären ist, besteht darin, ob es sogar noch mehr sexuell übertragbare Erkrankungen gibt, als bisher unter dem Oberbegriff Geschlechtskrankheiten geführt werden. Ferner möchten sich die Wissenschaftler noch mit weiteren Fragen beschäftigen, wie zum Beispiel, ob sich die Viren ungünstig auf die Spermienqualität auswirken und ob sogar Mutationen als Folge auftreten können.

Neue Hiobsbotschaft für die Spermienqualität der Männer?

Geht man einmal etwas weg von den eventuell neuen Geschlechtskrankheiten, welche durch die identifizierten Erreger im Sperma entstehen könnten oder bereits vorhanden sind, ist ein weiterer negativer Aspekt der Studie, dass die Erreger möglicherweise die Qualität der Spermien beeinflussen können. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund eine sehr schlechte Nachricht, als dass die Spermaqualität der männlichen Bevölkerung sowohl in Europa, Australien als auch in Nordamerika in der Vergangenheit ohnehin gesunken ist. Zieht man einen Vergleich zwischen 2011 und 1973, so ist die Spermienkonzentration (pro Milliliter) innerhalb dieses Zeitraums von knapp 40 Jahren bereits um über 50 Prozent gesunken. Diese Tendenz hält bis heute an, sodass vielleicht durch die identifizierten Viren, die sich möglicherweise negativ auf die Spermienqualität auswirken, in der Schlussfolgerung noch mehr Paare als bisher in der westlichen Welt ungewollt keinen Nachwuchs bekommen können. Bereits jetzt ist davon in Deutschland etwa jedes sechste Paar betroffen, sodass zukünftig noch mehr Menschen unter diesen Problemen leiden könnten.

Einzige wirksame Vorsichtsmaßnahme außer Enthaltsamkeit: Kondome

Es gibt im Prinzip nur eine einzige wirksame Vorsichtsmaßnahme, die einen großen Teil dazu beitragen kann, dass die bereits bekannten Geschlechtskrankheiten sowie die neu entdeckten Viren im Sperma nicht übertragen werden, nämlich Kondome. Während die Antibabypille ausschließlich zur Schwangerschaftsverhütung geeignet ist, was zudem auf zahlreiche weitere Verhütungsmethoden zutrifft, wie zum Beispiel die Spirale, gibt es im Prinzip mit dem Kondom nur ein einziges Verhütungsmittel, welches gleichermaßen wirksam von vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten schützt. Wer noch nicht mit einem der im Beitrag erwähnten Erreger infiziert ist, kann auf diese Weise indirekt natürlich auch seine Spermienqualität schützen. Denn selbstverständlich können nicht nur Männer ihre Partnerinnen beim Verkehr anstecken, sondern der umgekehrte Fall ist mit dem gleichen Risiko verbunden. Da Geschlechtskrankheiten sich ohnehin wieder verstärkt ausbreiten, ist es umso wichtiger, der zunehmenden Vernachlässigung des Schutzes durch Kondome entgegenzuwirken und sich wieder mehr für diesen zuverlässigen Schutz zu entscheiden.

 

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