Erhöhen Pornofilme Risiko von Geschlechtskrankheiten?

Nicht wenige Experten fragen sich derzeit, warum die Zahl der Fälle an Geschlechtskrankheiten in den vergangenen Jahren wieder zunimmt. Insbesondere bei einigen Erkrankungen, wie zum Beispiel bei Syphilis, stellen die Experten ein deutliches Wachstum der Fälle fest. Ein Grund könnte darin bestehen, dass der Konsum von Pornofilmen mittlerweile zahlreiche Paare dazu verleitet, diese in gewisser Weise nachzuahmen und demzufolge Sexualpraktiken durchzuführen, die das Risiko erhöhen, an Geschlechtskrankheiten zu leiden. Dazu gehören beispielsweise Analsex oder auch Oralverkehr, die insbesondere bei jungen Erwachsenen in der Beliebtheit gestiegen sind, was mitunter auch Pornofilme zurückgeht.

Syphilis nur ein Beispiel für steigende Anzahl bei den Geschlechtskrankheiten

Ein aktuelles Beispiel ist die bekannte Geschlechtskrankheit Syphilis, die seit Jahren in Deutschland, in der Schweiz und zahlreichen weiteren Ländern wieder auf dem Vormarsch ist. So wurden beispielsweise in diesem Jahr in der Schweiz und doppelt so viele Fälle diagnostiziert, wie es noch vor zehn Jahren der Fall gewesen ist. Diese Entwicklung ist zumindest in Teilen darauf zurückzuführen, dass bestimmte Sexualpraktiken, die beispielsweise in den 80er und 90er Jahren kaum eine Bedeutung hatten, wieder deutlich auf dem Vormarsch sind. Dazu gehören insbesondere Analverkehr und Oralsex, der heute bei Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen hoch im Kurs zu stehen scheint. Hinzu kommen weitere Sexualpraktiken, die insbesondere durch das „Leitbild“ Pornofilm gesellschaftsfähig geworden sind, die jedoch – bei Nachahmung in der Praxis – indirekt das Risiko von Geschlechtskrankheiten erhöhen. In der Summe sind es vor allen Dingen die folgenden Sexualpraktiken, die von den Experten als nicht gefährlich, aber immerhin so eingestuft werden, dass sie das Risiko, sich mit Geschlechtskrankheiten zu infizieren, erhöhen:

  • Analverkehr
  • Oralverkehr
  • Prostatamassage
  • Dammmassage
  • Natursekt

Kuschelsex nimmt an Beliebtheit deutlich ab

Praktiken im Pornofilm können Risiko von Geschlechtskrankheiten erhöhen

© Stockfotos-MG / Fotolia

Umfragen ergeben aktuell häufig, dass der sogenannte Blümchensex oder auch Kuschelsex bei immer mehr jungen Leuten, aber auch älteren Erwachsenen, an Beliebtheit verloren hat. Experten sehen auch hier einen möglichen Grund im starken Pornokonsum, denn dieser hat vermutlich einen merklichen Einfluss, wie junge Paare ihr Sexualleben gestalten. Immerhin gilt die Praktik, die in Pornofilmen zu sehen ist, oftmals als ideal und wird somit zum Vorbild genommen. Nicht selten fällt vor allem bei jungen Frauen auf, dass diese sich von ihrem jeweiligen Partner zu Sexualpraktiken drängen lassen, die sie eigentlich gar nicht ausüben möchten. Dennoch gibt es auf der anderen Seite ebenfalls jüngere Frauen, die sexuell deutlich aufgeschlossener als noch vor 10 oder 20 Jahre sind und gerne dazu bereit sind, die in den Pornofilmen dargestellten Praktiken zumindest einmal auszuprobieren. Dabei geht es keineswegs um Praktiken aus dem SM-Bereich, ganz im Gegenteil, denn dort finden meistens keine „echten“ sexuellen Kontakte statt, sodass Geschlechtskrankheiten eher selten übertragen werden.

Ansteckungsrisiko wird in Pornofilmen oft vernachlässigt

Neben der Tatsache, dass Pornofilme vermehrt dazu dienen, Vorbild für Sexualpraktiken sein, gibt es noch ein anderes Risiko beim Konsum dieser Filme. Dieses besteht darin, dass in den meisten Filmen dieser Art ein mögliches Ansteckungsrisiko schon allein dadurch nicht thematisiert wird, dass man selten Akteure mit Kondom vor der Kamera sieht. Abgesehen von einer möglichen Schwangerschaft, welche die Frau natürlich auch anderweitig verhindern kann (Antibabypille), bedeutet der Verzicht auf Kondome jedoch definitiv ein erhöhtes Risiko, sich mit Geschlechtskrankheiten zu infizieren. Besonders gefährdet sehen die Experten diesbezüglich junge Paare, die naturgemäß innerhalb der ersten Wochen und Monate schwer verliebt sind und deswegen nicht selten Sexualpraktiken zustimmen, auf die sie vorher von selbst nicht gekommen wären.

Praktiken mit Körperflüssigkeiten haben deutlich erhöhtes Risiko

Wenn es konkret darum geht, bei welchen Sexualpraktiken ein besonders hohes Risiko besteht, sich an sexuell übertragbaren Erkrankungen anzustecken, nennen die Fachleute vor allem solche Praktiken, bei denen der Austausch von Körperflüssigkeiten mit dazugehört. Dazu gehört keinesfalls nur der direkte Geschlechtsverkehr, sondern unter anderem der bereits erwähnte Oral- bzw. Analsex. Ferner bestehen die Körperflüssigkeiten, mit denen Viren oder Bakterien übertragen werden können, keineswegs nur aus dem Sperma des Mannes, sondern insgesamt sollten im Prinzip alle vorhandenen Körperflüssigkeiten beachtet werden, nämlich:

  • Sperma
  • Vaginalsekret
  • Speichel
  • Urin

Dass keineswegs nur das Vaginalsekret sowie das Sperma, wie es noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war, zu den ausgetauschten Körperflüssigkeiten gehört, zeigt unter anderem die Tatsache, dass vor allem Frauen vermehrt unter Blasenentzündungen leiden. Ein Grund dafür könnten Praktiken im Natursekt sein, aber auch die Zunahme von ungeschütztem Analsex begünstigt diese Erkrankung, da so Bakterien leicht über den Anus in die Vagina gelangen können.

Nicht nur körperliche, sondern auch psychische Folgen

Dass durch bestimmte Sexualpraktiken, die heutzutage praktisch in Pornofilmen den „idealen“ Sex vorleben, ein vermehrtes Risiko besteht, an Geschlechtskrankheiten zu leiden, ist die eine Sache. Zum anderen stellen die Wissenschaftler allerdings auch fest, dass vor allem Männer durch die scheinbar völlig enthemmte Sexualität immer öfter an psychischen Problemen leiden. So geben Ärzte an, dass sie teilweise täglich Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren behandeln, die unter Erektionsproblemen leiden. Häufig sind die Betroffenen körperlich vollkommen gesund, sondern stattdessen spielen psychische Faktoren wie Stress und Druck eine große Rolle. Hier wiederum kommen durchaus unter anderem die Pornofilme zum Tragen, denn viele Männer möchten den Akteuren einfach in nichts nachstehen, sowohl was die Standfestigkeit als auch die Sexualpraktiken angeht. Zahlreiche Männer können diesen Erwartungen oder den selbst gesetzten Leistungsdruck jedoch nicht erfüllen, sodass am Ende der Kette nicht selten Erektionsprobleme oder sogar Impotenz stehen.

Aufklärung nach wie vor mangelhaft

Zwar wird durch in Pornofilmen dargestellte Sexualpraktiken und deren anschließende Ausübung durch die Paare in der Praxis im Durchschnitt betrachtet das Risiko erhöht, an Geschlechtskrankheiten zu leiden. Dies ist allerdings nur die eine Seite der Medaille, denn Experten bemängeln zum anderen, dass Aufklärung in diesem Bereich schlichtweg nach wie vor mangelhaft ist. Wer die angesprochenen Sexualpraktiken nämlich mit Vorsicht und dem notwendigen Schutz durchführt, der kann so auch das Risiko der Geschlechtskrankheiten minimieren.

Trotzdem ist es bisher in der Praxis oft so, dass die Risiken von ungeschütztem Verkehr nur am Rande oder gar nicht erwähnt werden. Daher ist es definitiv an der Zeit, deutlich umfangreicher und besser über die Risiken bestimmter Sexualpraktiken aufzuklären. Zudem sollte man ausdrücklich erwähnen, dass es eben nicht nur um den Schutz vor ungewollten Schwangerschaften geht, sondern die Geschlechtskrankheiten nicht umsonst wieder auf dem Vormarsch sind. Grundsätzlich gibt es kaum eine Sexualpraktik – außer, es findet absolut kein direkter körperlicher Kontakt statt – die vor dem Risiko der Übertragung von Infektionen gefeit wären.

 

Bildquelle: #130871195 – © Stockfotos-MG – Fotolia.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.