Anzahl der Geschlechtskrankheiten nimmt zu: die aktuell häufigsten Infektionen

Bis vor einigen Jahren war die Anzahl der Geschlechtskrankheiten insgesamt leicht rückläufig, was sich allerdings seit geraumer Zeit leider wieder ins Gegenteil gekehrt hat. Seit wenigen Jahren stellen die Mediziner und Wissenschafter eine erhöhte Anzahl von Infektionen fest. Einen wesentlichen Grund sehen die Experten vor allem darin, dass in weiten Teilen der Bevölkerung eine unzureichende Kenntnis über die existierenden Geschlechtskrankheiten besteht. Oftmals sind die Infektionen nicht nur unbekannt, sondern es fehlen beispielsweise Informationen darüber, woran die jeweilige Infektion zu erkennen ist und wie man sich verhalten sollte, damit man die Erkrankung möglichst schnell beendet. Wir möchten daher im Folgenden über die aktuell sechs häufigsten Geschlechtskrankheiten aufklären.

Die häufigsten Geschlechtskrankheiten im Überblick

Es gibt mehr als zehn unterschiedliche Geschlechtskrankheiten, wobei einige allerdings vergleichsweise eher selten in Erscheinung treten. Daher möchten wir uns in diesem Beitrag vor allem mit den sechs aktuell gängigsten Geschlechtserkrankungen beschäftigen, bei denen es sich im Überblick um die folgenden Infektionen handelt:

  • Chlamydien
  • Syphilis
  • Hepatitis B
  • Gonorrhoe
  • Feigwarzen
  • Herpes Genitalis

Darüber hinaus werden Sie vielleicht eine ebenfalls bekannte Geschlechtskrankheit vermissen, nämlich AIDS, welches durch das HIV-Virus verursacht wird. Diese Infektion fällt allerdings deshalb etwas aus der Reihe, weil sie zwar auch beim ungeschützten Sexualverkehr übertragen wird, aber ebenso durch infiziertes Blut. Darüber hinaus tritt HIV glücklicherweise mittlerweile – zumindest in Westeuropa – deutlich weniger häufig als die zuvor aufgeführten anderen Geschlechtskrankheiten auf.

Chlamydien: Unfruchtbarkeit als schlimmste Auswirkung

Bei Chlamydien handelt es sich um eine Geschlechtskrankheit, die durchaus häufig unterschätzt wird. Insbesondere bei Frauen ist es allerdings so, dass diese Erkrankung unbehandelt sogar in letzter Folge zur Unfruchtbarkeit führen kann. Dies geschieht dadurch, dass eventuell die Eileiter verkleben und somit zukünftig keine Chance mehr besteht, dass sich ein Ei zur Befruchtung einnistet. Ein Hauptproblem besteht bei Chlamydien allerdings darin, dass diese Erkrankung häufig nicht bemerkt wird, da sie in aller Regel mit keinerlei Symptomen verbunden ist. Dies führt natürlich auch dazu, dass Chlamydien unwissentlich bei ungeschütztem Sexualverkehr an den Partner weitergegeben werden. Laut Robert-Koch-Institut sind es schätzungsweise über 10.000 Frauen, die jährlich neu an dieser Infektion erkranken.

Geschlechtskrankheiten durch Kondome vermeiden

© Thomas Reimer / Fotolia

Wer eine bereits vorhandene Chlamydien Infektion behandeln möchte, der sollte natürlich zunächst einmal seinen Arzt aufsuchen. In erster Linie sind Antibiotika wirksam, allerdings können eventuelle Folgeschäden nur bei einer rechtzeitigen Behandlung vermieden werden. Sind die zuvor angesprochenen Eileiter allerdings bereits verklebt, ist die Schädigung eingetreten und kann auch nicht mehr durch die Behandlung mit Antibiotika rückgängig gemacht werden. Der Schutz gegen Chlamydien ist relativ einfach, wenn man es weiß, nämlich beim Geschlechtsverkehr ein Kondom zu nutzen. Aber auch bei der Nutzung von Sex-Spielzeug sollte man etwas vorsichtig sein, denn die Erreger können sich daran heften und bei gleichzeitiger Nutzung durch mehrere Personen ebenfalls übertragen werden.

Syphilis: Deutlich steigende Fallzahlen

Syphilis gehört aktuell eindeutig zu den Geschlechtskrankheiten, die wieder auf dem Vormarsch sind. Seit mittlerweile fast acht Jahren ist die Anzahl der Syphilis-Fälle auch in Deutschland steigend. Die Ursache sind spezielle Bakterien, die unter anderem beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Im Gegensatz zu den zuvor erläuterten Chlamydien ist es bei Syphilis häufig so, dass Symptome auftreten. Allerdings sind die Beschwerden relativ unspezifisch, sodass die Erkrankung oftmals nicht erkannt oder falsch zugeordnet wird. Ein Leitsymptom besteht meistens darin, dass sich im Anfangsstadium ein Geschwür an der Stelle bildet, an welcher die Bakterien in den Organismus eingedrungen sind. Zusätzlich kann es passieren, dass die Lymphknoten anschwellen, allerdings in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum.

Auch bei der Syphilis ist es leider so, dass es bei spätem Erkennen der Infektion bereits zu erheblichen Folgeschäden gekommen sein kann. Zu nennen sind hier insbesondere chronische Entzündungen oder auch eine Einschränkung der sexuellen Funktion. Wie die meisten Geschlechtskrankheiten, so kann auch Syphilis bei rechtzeitigem Erkennen mit Antibiotika wirksam behandelt. Der mögliche Schutz besteht ebenfalls darin, beim Sexualverkehr Kondome zu nutzen und beim Einsatz von Sextoys ebenfalls reinlich zu sein.

Hepatitis B: Leberentzündung durch HPV-Virus

Viele Menschen bringen die Hepatitis B nicht unbedingt mit einer Geschlechtskrankheit in Verbindung, weil das sogenannte HPV-Virus, welches beispielsweise für die Entstehung einer Leberentzündung als Folge der Hepatitis B verantwortlich ist, vor allem durch Blut übertragen wird. Allerdings ist die Übertragung auch noch durch andere Körperflüssigkeiten möglich, insbesondere Sperma und Vaginalsekret. Bei Hepatitis B ist es ebenfalls so, dass lange Zeit keine Symptome auftreten, denn die Inkubationszeit beträgt zum Teil bis zu sechs Monate. Sollten Sie an einer Hepatitis B leiden, können Sie dies möglicherweise an den folgenden Symptomen bemerken, die meistens längerfristig anhalten:

  • Durchfall
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Müdigkeit bzw. Abgeschlagenheit
  • Gelbsucht
  • Appetitlosigkeit

In etwa jedem zehnten Fall wird eine akute Hepatitis B nicht ausgeheilt, sondern verläuft anschließend chronisch. Diese Entwicklung ist besonders gefürchtet, denn sie kann die Leberentzündung bzw. eine Leberzirrhose nach sich ziehen. Da es sich bei Hepatitis B nicht um eine durch Bakterien, sondern durch Viren verursachte Erkrankung handelt, kommen demzufolge bei der Behandlung antivirale Medikamente zum Einsatz. Darüber hinaus ist wichtig zu wissen, dass Sie sich vor Hepatitis B durch eine Schutzimpfung schützen können. Ist dies nicht gewünscht, besteht ein wirksamer Schutz natürlich ebenfalls darin, keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben.

Gonorrhoe: Besser bekannt unter der Bezeichnung Tripper

Die Geschlechtskrankheit Gonorrhoe gehört ebenfalls zu den sechs häufigsten Krankheiten, die durch sexuelle Kontakte übertragen werden. Umgangssprachlich ist Gonorrhoe sicherlich besser unter der Bezeichnung Tripper bekannt. Wie bei Chlamydien sind es auch bei Gonorrhoe Bakterien, welche die Erkrankung verursachen und die Fachbezeichnung Gonokokken tragen. Diese Bakterien befallen in erster Linie die Schleimhäute im Bereich der Harnröhre, können aber auch den Enddarm sowie den Rachenraum befallen. Leider ist es bei Gonorrhoe ebenfalls wie bei zahlreichen anderen Geschlechtskrankheiten so, dass am Anfang kaum oder gar keine Symptome auftreten bzw. diese als harmlos bewertet und somit nicht als Symptom von Gonorrhoe erkannt werden. Frauen bemerken häufig in der ersten Zeit verstärkten Ausfluss, Juckreiz oder auch eine leichte Rötung. Häufig tritt auch ein Brennen beim Wasserlassen auf, sodass Gonorrhoe oftmals mit einer gewöhnlichen Blasenentzündung verwechselt wird. Daher ist es wichtig, bei derartigen Symptomen möglichst umgehend den Hausarzt oder Gynäkologen aufzusuchen.

Ein großes Problem besteht bei Tripper mittlerweile darin, dass es laut WHO immer schwerer bekämpft werden kann, da die Anzahl der wirksamen Antibiotika in den vergangenen zehn Jahren drastisch gesunken ist. Jährlich sind es rund um den Globus fast 80 Millionen Menschen, die an Gonorrhoe erkranken, wobei die Tendenz in diesem Bereich leider ebenfalls steigend ist. Noch gibt es zwar wirksame Antibiotika, mit denen Tripper behandelt werden kann, aber man sollte sich darauf nicht unbedingt verlassen. Der beste Schutz besteht auch hier darin, keinen ungeschützten Verkehr zu haben. Denken Sie bitte zusätzlich daran, dass Tripper nicht nur durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann, sondern ebenfalls durch orale Kontakte.

Feigwarzen: Wucherungen im Genitalbereich

Ebenfalls zu den am häufigsten auftretenden Geschlechtskrankheiten gehören aktuell die sogenannten Feigwarzen. Verursacht wird diese Krankheit durch die sogenannten HPV-Viren, wobei die Feigwarzen an sich Wucherungen im Genital- oder auch Analbereich sind, die ähnlich wie Warzen aussehen. Die Geschlechtskrankheit kann sowohl Männer als auch Frauen betreffen, wird allerdings oftmals nicht erkannt. Dies zeigt eine Statistik, denn offiziell sind es etwa 70 Prozent aller Menschen weltweit, die mindestens einmal im Leben an Feigwarzen erkranken. Wahrscheinlich werden auch Sie jetzt erstaunt sein, denn vermutlich werden Sie nichts davon wissen, dass auch Sie voraussichtlich bereits einmal Feigwarzen hatten.

Dass Feigwarzen so weit verbreitet sind, hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sich die HPV-Viren in den kleinsten Hautschuppen befinden, die natürlich nicht nur beim Geschlechtsverkehr übertragen werden und vor denen man sich auch nicht schützen kann, indem man Kondome benutzt. Es reichen bereits winzige Verletzungen im Bereich der Haut oder Schleimhaut aus, damit diese Hautschuppen in den Organismus gelangen. Behandelt werden Feigwarzen, solange sie sich im äußeren Bereich befinden, in aller Regel durch eine Lösung oder eine Creme, die vom Arzt verschrieben wird. Schützen können Sie sich durch Kondome nur bedingt, denn das Risiko wird zwar etwas reduziert, kann aber bei Weitem nicht vollständig ausgeschaltet werden. Eine Impfung ist lediglich gegen einige spezielle Varianten des HPV-Virus möglich, sodass insgesamt betrachtet nur unzureichende Schutzmöglichkeiten bestehen. Der beste Schutz besteht sicherlich darin, keine allzu häufig wechselnden Sexualpartner zu haben.

Herpes Genitalis: Herpes gibt es nicht nur an den Lippen

Lippen-Herpes haben vermutlich auch Sie schon einmal in Ihrem Leben gehabt. Bereits dann werden Sie diese Erkrankung in schlechter Erinnerung haben, denn die kleinen Bläschen auf den Lippen können durchaus sehr schmerzhaft sein. Ein Problem besteht bei Herpes generell darin, dass die Viren – einmal in den Körper gelangt – fast immer dort bleiben. Dies bedeutet allerdings glücklicherweise nicht, dass die Erkrankung ständig ausbricht. Ähnlich verhält es sich auch beim sogenannten Herpes Genitalis. Diese Herpesbläschen treten in diesem Fall nicht auf den Lippen, sondern im Genital- und Analbereich auf. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass weltweit etwa eine halbe Milliarde Menschen mit Herpes Genitalis infiziert wird.

Die Ansteckung mit Herpes Genitalis erfolgt in aller Regel durch ungeschützte sexuelle Kontakte. Häufig handelt es sich allerdings um eine Infektion mit keinen oder nur geringen Symptomen, sodass eine Weitergabe bei sexuellen Kontakten unwissentlich erfolgt. Eine Heilung ist im Prinzip nicht möglich, da die Viren stetig im Körper bleiben. Es gibt allerdings sogenannte antivirale Medikamente, die es zumindest schaffen, eine Vermehrung im Organismus aufzuhalten. Die Anwendung findet meistens lokal statt, nämlich mithilfe einer speziellen Creme. Der beste Schutz vor Herpes Genitalis besteht darin, Kondome zu benutzen, auch wenn diese das Risiko lediglich senken können. Auf jeden Fall vermeiden sollten Sie Kontakt mit offenen Herpesbläschen bei Ihren Sexualpartnern.

 

Bildquelle: #138546768 – © Thomas Reimer – Fotolia.com

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